Tough Mudder Dubai 2016 – Epische Wüstenschlacht mitten im Dezember

Tough Mudder Dubai 2016

Ich habe es unterschätzt!

Gewaltig unterschätzt sogar!

Doch der Reihe nach…

Früher hatte ich normale Freunde, da war die Welt noch in Ordnung.

Doch irgendwann – ohne dass du es bemerkst – landest du in den falschen Kreisen und kennst kein Limit mehr.

Du wirst zum Mudderholic!

Zugegeben, die Anzeichen waren schon letztes Jahr deutlich erkennbar, aber neun Tough Mudder in einem Jahr hätte man vielleicht noch irgendwie als Jugendsünde durchgehen lassen können.

Doch dann tauchte da im Mai diesen Jahres plötzlich dieser Hüne namens Alex auf…

Wir hatten uns gesucht und gefunden. Beide auf der Suche nach dem Kick, zogen wir durch Europa und sammelten Stirnbänder wie andere Payback-Punkte.

In Deutschland wurden wir gefeiert und im Ausland nennen sie uns immer öfter „The German Machines“.

In Deutschland gefeiert

Nach einer tollen Saison, hätte man es nach dem Tough Mudder Süddeutschland also einfach gut sein lassen und sich auf den Lorbeeren ausruhen können…

Die Bilanz von 17x (Michael) bzw. 14x (Alex) Tough Mudder hätte sich sicherlich sehen lassen können.

Alex & CoachAber Alex wäre nicht Alex, wenn er nicht immer noch ein Ass im Ärmel hätte!

Während andere in den Flitterwochen chillen, überraschte ihn seine Frau mit einem Ticket für den Tough Mudder in Texas (die weiß auch, dass bei dem Hopfen und Malz verloren ist).

och damit nicht genug…

Kurz vor Süddeutschland kam Alex mit der wahnwitzigen Idee um die Ecke, dass doch der Tough Mudder in Dubai im Dezember eine coole Nummer wäre.

So ein Trip will natürlich wohl überlegt sein und deshalb habe ich mir die Entscheidung auch nicht einfach gemacht.

Ich habe bestimmt fünf Sekunden überlegt, ehe für mich die Entscheidung feststand, dass ich da auf alle Fälle mit dabei bin!

Ready for Dubai?

Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine kleine Wetter-Diva bin.

Mit einer Mischung aus Bewunderung, Unverständnis und Schadenfreude habe ich deshalb verfolgt, wie sich unsere Matschkameraden eine Woche zuvor bei Minusgraden durch den Getting Tough in Rudolstadt gekämpft haben.

Never ever!

Dubai WetterWenn schon ein Hindernislauf mitten im Dezember, dann doch bitte bei winterlichen Dubai-Temperaturen jenseits der 20 Grad 😉

Aber wie das mit der Schadenfreude oftmals so ist, so schlägt einem diese gerne mal um die Ohren…

Sport bei Hitze macht mir für gewöhnlich relativ wenig aus, deshalb bin ich fest davon ausgegangen, dass die Stirnbänder Nummer 28 & 29 eine easy peasy Nummer werden.

Sozusagen noch mal zwei Tough Mudder im Urlaubs- und Sparmodus.

Wie bereits eingangs erwähnt – es sollte anders kommen!

Ein Tag vor der Reise (ich bin niemand, der sich mit so Sachen schon Wochen vorher intensiv befasst), kam ich zu der wahnsinnig verblüffenden Erkenntnis, dass mein Körper vielleicht leicht irritiert sein könnte:

  1. Von jetzt auf gleich ein Temperatur-Upgrade von 30 Grad.
  2. Einigermaßen in Form, aber seit dem Tough Mudder Süddeutschland im September nicht mehr laufen gewesen.
  3. Alles in allem 12 Stunden Anreise plus vier Stunden Zeitverschiebung, sodass wir quasi um 5 Uhr morgens deutscher Zeit nach mehr oder weniger durchgemachter Nacht (ich bin 30!!!) auf der Strecke sein würden.

Crazy 😀

Aber auch diese Umstände sollten sich nur als Randnotiz herausstellen…

Ausgesetzt mitten in der Wüste…

Michael Wüstenschlacht

Okay, dass da ein wenig Sand sein würde – geschenkt!

Dass wir aber die kompletten 17km durch Sand werden rennen müssen, damit war nun wirklich nicht zu rechnen! 😀

Ungelogen, auf der gesamten Strecke war nichts, was man auch nur ansatzweise als Weg bezeichnen könnte.

Wüste so weit das Auge reicht!

Willkommen beim Tough Sander!

Für gewöhnlich kann man bei Tough Mudder so zwei Kilometer vor dem Ziel beobachten, wie ein Großteil des Teilnehmerfeldes nur noch geht und versucht es irgendwie hinter sich zu bringen.

Wir nennen das gerne „The Walk of Shame“.

Hier blieb einem aber kaum etwas anderes übrig, als nahezu den kompletten Lauf im „Walk of Shame“ zu bestreiten.

Krass!

Beim ersten Lauf freitags (das Wochenende fällt hier auf FR und SA) brütete zudem noch ordentlich die Hitze, sodass wir froh waren, dass es so viele Wasserstationen auf der Strecke gab.

Wasserstation in Dubai

Es gab genau eine Stelle auf der Strecke mit Matsch und der musste extra aus dem Ausland importiert werden 😀

Dubai Matsch

Dafür gab es tatsächlich so manchen Anstieg zu bewältigen, nicht nur beim „Killa Gorilla“.

Tough Mudder Dubai 2016 Dünen

Und man mag es kaum glauben, sogar ein Eisbad konnte man in der Wüste nehmen!

Arctic Enema Dubai 2016

Im Einsatz als „Entwicklungshelfer“

Tough Mudder Pledge Dubai 2016Tough Mudder ist eine große Familie, ganz egal wo auf der Welt.

Hier herrscht eine ganz besondere Kultur und es liegt an den Legionären, die Firsttimer mit dieser vertraut zu machen.

Glücklicherweise waren sowohl der Warm-up MC Bobbie als auch der Start-line MC Gil aus England am Start.

Beide legten den Grundstein, um den Tough-Mudder-Spirit auch in Dubai zu verbreiten.

Wie du dir jedoch sicherlich vorstellen kannst, waren außer uns relativ wenige Legionäre am Start.

Ein paar Amis und ein paar Briten haben sich hierher verirrt, aber ansonsten weit und breit nur Tough-Mudder-Jungfrauen.

Alex und ich waren deshalb am Wochenende reichlich gefordert.

Wir haben ganze Horden über die Hindernisse gezogen und bis zur Verausgabung gefightet. Und auch dieser Ausdruck fiel unter anderem mal wieder – The German Machines 😀

Am Samstag hatten wir dann auch noch Sonya aus England zur Seite, die mit ihren mittlerweile 41 Teilnahmen reichlich Erfahrung mitbrachte und ebenfalls einen grandiosen Job an den Hindernissen ablieferte.

Großes Kino!

Sonya & Michael

Uns dreien hat das tierisch Laune gemacht, denn gerade an solchen Hindernissen wie Pyramid Scheme ging es ohne die ganzen Legionäre ziemlich planlos zu und da waren wir froh, dass wir helfen konnten.

Pyramid Scheme Dubai 2016

Welche kulturellen Unterschiede gab es beim Tough Mudder in Dubai?

In der Legionärsgruppe auf Facebook haben sich viele gefragt, ob es auf und neben der Strecke eventuell zu kulturellen Komplikationen kommen könnte.

In der Tat konnte man einige Besonderheiten feststellen: Es gab einen Gebetsraum auf dem Gelände, anstelle des Finisher-Biers gab es Red Bull, das Warm-up ging etwas gesitteter zu und im Startbereich hat man nicht wie gewohnt jemand Wildfremdes umarmt, sondern nur ein High five gegeben.

Alles in allem waren wir aber extrem positiv überrascht.

So liefen beispielsweise die Mädels rum, die wir am Freitag adoptiert hatten:

Dubai Mädels 2016

Einige Mädels waren sogar bauchfrei unterwegs und wir haben nicht ein einziges Mal mitbekommen, dass es Probleme gegeben hätte.

Wir haben Tätowierte hochgezogen, Kopftuchträgerinnen und Menschen mit so ziemlich allen denkbaren Hautfarben. Alles völlig entspannt, jeder hat jedem geholfen!

Besonders erwähnenswert und cool ist die Tatsache, dass es wohl keinen Tough Mudder gibt, der internationaler ist.

In Dubai leben nur 20% Einheimische. Ein Teilnehmer erzählte uns beispielsweise, dass in seiner Firma 20 Leute aus 15 unterschiedlichen Ländern beschäftigt seien.

So ungefähr kann man sich auch das Teilnehmerfeld vorstellen!

Auf Tuchfühlung mit den Tough-Mudder-Legenden

Davon abgesehen, dass ich mir 2017 als erster Deutscher das goldene Stirnband (50x Tough Mudder) schnappen möchte, hatte ich für das kommende Jahr einen großen Wunsch – einmal Will Dean, den Gründer von Tough Mudder, treffen!

Und leck mich fett, wer steht da plötzlich am Samstag mit uns am Check-in?

Will Dean!

Wir hielten einen kurzen Smalltalk und haben es uns dann natürlich kurz vorm Start nicht nehmen lassen, zusammen mit ihm ein Bild zu machen.

Man beachte vor allem die Startnummern 😀

Gruppenbild mit Will Dean in Dubai

Definitiv ein Highlight für uns!

Es ist einfach nur krass, wie bescheiden dieser Typ auftritt. Er hat sich völlig inkognito ins Teilnehmerfeld gemogelt und auch kein Stirnband getragen (er dürfte ungefähr so viele Teilnahmen auf dem Buckel haben wie wir).

Das war hoffentlich nicht das letzte Mal, dass wir ihn getroffen haben!

Den lustigsten Tough-Mudder-Abend der Saison haben wir aber wohl einem anderen Mann zu verdanken.

Gil, Alex & Michael in der Dubai MallNämlich unserem Lieblings-Start-line-MC Gil!

Mit der Zeit kennt man ja seine Pappenheimer und wenn wir uns in England treffen, dann begrüßen wir uns nicht mit Handschlag, sondern mit Umarmung.

Freitags hat er uns gefragt, ob wir abends zusammen abhängen wollen und da ließen wir uns natürlich nicht zwei Mal bitten.

Wir haben zusammen etwas in der Cheesecake Factory gegessen (Penny hatte wohl leider frei) und uns dann in der völlig überdimensionierten Mall (1.200 Geschäfte) umgesehen.

Das war fast so anstrengend wie der Lauf!

„I help my fellow shoppers complete the mall. Shoppers don't whine – husbands whine!“

Wenn du schon immer mal ein 10 Millionen Liter umfassendes Aquarium sehen wolltest…

Aquarium Dubai Mall 2016

…oder eine Schlittschuhbahn mitten in einem Shopping-Center…

Dubai Mall Eislaufbahn

…dann bist du hier genau richtig!

Anschließend waren wir noch im Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt.

Das Gebäude umfasst 163 Stockwerke und für umgerechnet 35 Euro pro Nase durften wir immerhin in den 125. Stock und diesen Ausblick genießen:

Khalifa in Dubai

All das wäre allerdings nur halb so unterhaltsam ohne die ständigen Kommentare von Gil gewesen 😀

Der Typ redet ohne Punkt und Komma und sieht es offensichtlich als seine Berufung an, alle möglichen Leute dumm zu schicken.

In der Cheesecake Factory hat er sich beispielsweise als „Mr. Hoorahh“ ausrufen lassen…

Einfach sensationell mit dem 😀

Samstags, kurz vorm Rückflug, waren wir dann noch mal mit ihm, Bobbie und ein paar Leuten von der Film-Crew was essen.

Bobbie kennst du vielleicht von den „Sexy-Warm-up-Videos“. Ebenfalls ein unfassbar lustiger Kerl.

Bobbie

Es war wirklich super cool, die Jungs mal privat zu erleben. Dadurch werden die nächsten Tough Mudder noch mehr zu einer Art Familien-Treffen.

Wir können es kaum erwarten!

Fazit – lohnt sich der Tough Mudder Dubai auch für dich?

Tough Mudder Dubai 2016 Fazit

Ein Trip nach Dubai hört sich erst mal so an, als müsste man reich sein.

Für den Flug haben wir aber letztendlich gerade mal 450 EUR bezahlt und das Zimmer, das wir uns geteilt haben, hat pro Nase 40 EUR gekostet.

Tickets müssen wir zum Glück nicht bezahlen, aber da bist du ansonsten mit rund 120 EUR pro Lauf dabei. Hinzu kommen diverse Taxifahrten und Verpflegung.

In Anbetracht dessen, dass ich gerade mal 40 Stunden vor Ort war (Alex hat noch zwei Tage angehängt), ist das natürlich schon ein Haufen Geld.

Dafür habe ich aber unfassbar viel erlebt und eine absolute Parallelwelt kennengelernt.

Ich glaube nicht, dass ich in 40 oder 50 Jahren mal sagen werde: „Oh Mist, hätte ich doch damals nur diese 650 EUR gespart, dann könnte ich die auch noch meinen Kindern vererben“.

Was den Lauf selbst anbelangt, so würde ich das gerne mit einer chauvinistischen Schuhmetapher erklären:

Der Tough Mudder Dubai ist so etwas wie das 57. Paar Schuhe im Schrank – eigentlich braucht man es nicht, aber genau so ein Paar hat man noch nicht und überhaupt, es lacht einen gerade so schön an… 😉

Wenn du noch nie einen Tough Mudder gemacht hast, dann besorg dir erst mal ein schwarzes Paar Schuhe, was Legeres, was zum Ausgehen, usw., um im Bild zu bleiben.

Wenn du aber sowieso süchtig nach Schuhen bist, dann solltest du dieses Spektakel auf alle Fälle mal erlebt haben!

TM Dubai 2016 Finisher Bild

Diese drei Menschen auf dem Foto haben in Summe 98 Tough Mudder bestritten und alle drei sagen, dass das auf alle Fälle ihr härtester Tough Mudder bisher war.

17km Sand, freitags brütende Hitze und samstags permanent Sandstürme.

Muss ich noch mehr sagen?

Wir sehen uns nächstes Jahr in Dubai! 😀

Hoorah!

One Response

  1. Daniel 19. Dezember 2016