Tough Mudder London West 2015 – Gefangen am Flughafen

Tough Mudder London West 2015

Kennst du den Film „Terminal“ mit Tom Hanks?

Tom Hanks spielt da die Rolle des Viktor Navorski, der in New York landet und dort unerwartet mehrere Monate auf dem Flughafengelände gefangen ist, weil er aufgrund des Bürgerkriegs in seinem Heimatland plötzlich als staatenlos gilt und die Bürokratrie ihm einen Strich durch die Rechnung macht!

Ich liebe diesen Film…

…eigentlich!

So schnell werde ich mir diesen jedoch wohl nicht mehr ansehen können, denn Andi und ich saßen gestern 12 Stunden (!) am Flughafen in London Stansted fest!

Aber der Reihe nach…

Der ursprüngliche Plan war, dass wir am Tough Mudder London West teilnehmen. Hierzu ging es in aller Frühe (03:30 Uhr) los in Richtung Frankfurt-Hahn.

Wir waren für die Uhrzeit erstaunlich fit, hochmotiviert und soooo ahnungslos, was uns noch erwarten würde. Hier war die Welt also noch voll in Ordnung:

Michael & Andi Frankfurt Hahn

Kurz vorm Abflug haben wir sogar noch ein deutsches Pärchen in unserem Alter getroffen, das sich ebenfalls auf dem Weg zum Tough Mudder London West machte.

Wir waren total platt – es gibt tatsächlich noch mehr Bekloppte! 🙂

Der Flug verlief sehr entspannt und so landeten wir um ca. 06:50 Uhr Ortszeit in London Stansted.

Jetzt nur noch schnell den Mietwagen abholen und in den Linksverkehr stürzen, dann kann es endlich losgehen!

Wir stehen also bei Hertz in der Schlange, ich drücke Andi die Unterlagen in die Hand und da er seit vorgestern verbeamtet ist, liest er sich das Ganze natürlich noch mal gründlich durch und stellt die Killerfrage:

„Hast du die Kreditkarte dabei?“

Nein, das hatte ich natürlich nicht, denn da ich selbst keine besitze, habe ich den Trip über die Kreditkarte von Basti abgewickelt.

Der Mietwagen war bezahlt, Reservierungsbestätigung kam rein – pragmatisch und naiv wie ich bin, war der Fall somit für mich erledigt.

Denkste!

Panik liegt mir fern, denn ich wusste ja, dass Andi auch eine Kreditkarte hat, das wird man schon irgendwie deichseln können.

Habe ich erwähnt, dass Andi seit vorgestern verbeamtet ist?

Wie sich nämlich herausstellte, hat er seine Kreditkarte morgens noch aus dem Geldbeutel, weil diese ja schließlich verloren gehen könnte… klasse Andi! 🙂

Wir standen nun also in der Schlange und diskutierten, ob der Hinweis, dass man die Kreditkarte mitbringen solle nun überdeutlich in 14er-Schrift oder für Vollidioten in 16er-Schrift direkt unter dem dezenten Hinweis „CHECKLIST – WHAT YOU NEED TO BRING“ stand.

Hertz Reservierung

Jetzt in Panik ausbrechen?! Nicht mein Ding… wir haben ja schließlich noch jede Menge andere Plastikkarten einstecken und zur Not gibt es ja noch das liebe Bargeld.

Vermutlich würden wir mit extra Gebühren rechnen müssen, aber hey, dann zahlen wir eben ein wenig Lehrgeld!

Dumm nur, dass uns der Schaltermitarbeiter auf den Boden der Tatsachen zurückholte… für Ausländer stehen keine weiteren Optionen offen…

„Is there any other solution?“

Nein, wir kennen niemanden in London…

Fuck, was nun?!

Jetzt galt es erst mal planlos im Flughafen herumzulaufen, in der verzweifelten Hoffnung, dass sich die Lösung irgendwie vor unseren Augen aufdrängen müsste…

Das deutsche Pärchen?

Die hatten es besonders eilig (und offensichtlich ihre Kreditkarte dabei) und waren schon ca. zehn Minuten vor uns weg. Mist!

Öffentliche Verkehrsmittel?

Vergiss es, da sind wir drei Stunden unterwegs, dann bekommen wir nie im Leben unseren Rückflug!

Taxi?

170 Pfund für die einfache Strecke fanden wir dann doch irgendwie zu krass!

Flug verschieben und doch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren?

Wäre sogar noch teurer als das Taxi gewesen…

…wir schienen verloren!

Andi saß nun resigniert auf der Bank. Ich hasse Niederlagen und akzeptiere diese erst, wenn sie endgültig besiegelt sind.

Da muss es noch eine Lösung geben!

Guck an, die in der Hertz-Schlange vorne sehen deutsch aus…

„Excuse me, are you German?“

„Yes, we are.“

Yeeeees!!! Wir sind wieder im Spiel!!!

Jetzt habe ich meinen ganzen Charme versprühen lassen und unsere Notlage geschildert und auch Andi hat sich irgendwann eingeklinkt.

Kaum zu glauben, aber wir hatten tatsächlich jemanden gefunden, der bereit war, unseren Mietwagen über seine Kreditkarte zu buchen!

Man muss dazu sagen, dass die Kreditkarte mal eben so mit ca. 300 EUR Kaution belastet wird und dann besteht ja immerhin noch das Risiko eines Unfalls, usw.

Nicht unbedingt ein Risiko, das man gerne für Fremde eingeht!

Ich habe der Dame meine Ausweisdaten, Bankdaten usw. gegeben und ihr optional meine Unterhosengröße und was sie sonst noch irgendwie für wichtig erachtet angeboten… Hauptsache wir bekommen das irgendwie gewuppt!

Nun waren wir also wieder beim Endboss, dem Schaltermitarbeiter, angekommen.

„Hey guys!“

Diesmal kriegen wir dich! 🙂

Die Dame hat zuerst ihren eigenen Mietwagen klargemacht. Nun noch unseren formalen Kram erledigen und ab geht es zu Tough Mudder!

Aber der Endboss hatte noch ein Ass im Ärmel…

Eine Kreditkarte darf jeweils nur mit einem Auto belastet werden!

Altaaa!

Zweite Kreditkarte? Fehlanzeige! Hat ihr Mann noch eine einstecken? Fehlanzeige!

Das gibt es doch nicht!

Die Schlacht war verloren! Aus und vorbei! Ich hatte es verkackt!

Nun saßen wir also da und mussten völlig frustriert zwölf Stunden bis zu unserem Rückflug verbringen.

Nach London reinzufahren hätte sich nicht gelohnt. Über zwei Stunden einfache Fahrt, arschteuer, mit Gepäck unterwegs und definitiv nicht in der Stimmung für Sightseeing…

Also überbrückten wir unsere Leere und haderten mit dem Schicksal… wie konnte zu dem meinigen Unvermögen diese blöde Reservierungsbestätigung zu lesen noch so viel Pech dazu kommen?

Wir machten eine Reihe von Umständen fest, die uns noch den Arsch hätten retten können:

  • Basti hat in seinem Leben bestimmt schon 10x ein Auto gemietet und ich habe seine Kreditkarte genommen – da hätte man eigentlich nur 1 und 1 zusammenzählen müssen…
  • Andi hat zwei Kreditkarten zu Hause liegen gehabt und bis kurz vor dem Abflug waren die auch noch in seinem Geldbeutel…
  • Hätte es das deutsche Pärchen nicht so furchtbar eilig gehabt und wären wir wie von uns vorgeschlagen in Kolonne gefahren, dann hätte alles noch mal eine glückliche Fügung genommen…
  • Hätten wir im Auto, in Hahn oder meinetwegen auch noch während des Flugs die Reservierung in die Hand genommen, dann hätten wir immer noch das deutsche Pärchen abfangen können, denn die hatten ohnehin denselben Rückflug wie wir.
  • Wäre Hertz nicht so flexibel wie eine Eisenstange oder hätte zumindest das andere deutsche Pärchen noch eine zweite Kreditkarte einstecken gehabt…

Hätte, hätte, Fahrradkette!

Bedenkt man noch die Ironie, dass wir auf unserer Seite eine Checkliste für Tough Mudder zur Verfügung stellen (die ohne Mietwagenbuchung im Ausland auch echt zielführend ist) und dann selbst so einen unfassbaren Bock schießen… Mann, Mann, Mann!

So gingen zwölf Stunden ins Land… fassungslos, wütend, traurig, belustigt – mit unseren Stimmungsschwankungen hätten wir an diesem Tag definitiv jeden pubertierenden Teenie in den Schatten gestellt 😉

Zu allem Überfluss haben wir dann abends natürlich noch unsere beiden Mudder-Kollegen getroffen…

„Ihr seht ja gar nicht geschafft aus!“

Fragt besser nicht…

Wie wir erfahren durften, war Tough Mudder London West wie erwartet überragend!

Die neuen Hindernisse sollen sensationell sein und man konnte deren Begeisterung förmlich spüren.

Diese Begeisterung gab Andi jedoch endgültig den Rest! 🙂

Turbulenzen am Gate, Flugverspätung und ein defekter Parkscheinautomat in Hahn taten ihr Übriges dazu.

Die Rückfahrt von Hahn war deshalb alles andere als vergnügungssteuerpflichtig, aber hey!

Mudder schauen nach vorne und in drei Wochen geht es nach Arnsberg!

Da greifen wir dann richtig an und holen das alles nach! 🙂

In diesem Sinne viele Grüße

Euer German Fool

Michael

8 Comments

  1. Daniel 4. Mai 2015
    • Mudder Guide DE 4. Mai 2015
  2. Josef Waldmann 4. Mai 2015
    • Mudder Guide DE 4. Mai 2015
  3. Nik 6. Juni 2015
    • Mudder Guide DE 6. Juni 2015
      • jan 13. September 2015
        • Mudder Guide DE 14. September 2015

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