Tough Mudder North West 2016 – nach der Mission ist vor der Mission!

Tough Mudder North West 2016

Alex und ich (Michael) sollten sich langsam mal Gedanken darüber machen, ob wir nicht eine zweite Staatsbürgerschaft beantragen sollten. Gefühlt sind wir schließlich ständig in UK.

Nach dem TM London West, TM Scotland, TM Dublin (okay, nicht wirklich UK…), TM Yorkshire und TM South West, hat es uns nämlich dieses Jahr ein weiteres Mal auf die Insel verschlagen – der Tough Mudder North West stand auf dem Programm!

Für mich persönlich war es ein ganz besonderer Tough Mudder, denn sonntags ging ich in meine 25. Runde und durfte mir somit als erster Deutscher das silberne Stirnband überstreifen.

Was mal wieder alles schief ging, warum wir vom Kurs begeistert waren, warum wir die Events bei den Briten lieben und wie die feierliche Krönung vonstattenging – all dies und vieles mehr kannst du in unserem heutigen Blogbeitrag nachlesen.

Übersicht

  1. Pannen-Alex schlägt wieder zu
  2. Tough Mudder North West – ein Highlight im Veranstaltungskalender
  3. Drei Beispiele, warum ein Tough Mudder in England einfach AWESOME ist
  4. Feierliche Krönung und Zeit für neue Ziele

1. Pannen-Alex schlägt wieder zu

Da Alex und ich 500km voneinander entfernt wohnen, treffen wir uns im Regelfall immer am Flughafen in Eventnähe.

Dummerweise musste ich dieses Mal noch eine ganze Weile am Flughafen in Manchester totschlagen, da der Flieger von Alex erst drei Stunden später eintreffen sollte.

Ein klein wenig Zeit konnte ich mit der neuen Ausgabe des raus!-Magazins überbrücken. Hierin gab es diesmal eine mehrseitige Reportage über Tough Mudder mit uns als Hauptprotagonisten sowie ein kleines Interview mit Sven, Alex und mir.

raus Magazin

Zu dem Zeitpunkt ahnte ich jedoch noch nicht, dass ich das mit den drei Stunden vergessen werden könnte…

Irgendwann erreichte mich eine Nachricht – Flieger hat Verspätung!

Die Verspätung sollte sich im Laufe des Abends als sehr dehnbarer Begriff herausstellen, denn einer Vertröstung folgte die nächste.

Am Ende kam es jedoch fast schon wie es kommen musste…

…der Flug wurde storniert!

Schon wieder!

Alex musste bereits den Samstag beim Tough Mudder Norddeutschland passen, weil sein Flug aus Kroatien gestrichen wurde.

Zum Glück hat er gerade noch den letzten Lufthansa-Flug ergattern können und sollte Samstagmorgen rechtzeitig landen.

Flugzeug

Doch was war nun mit mir?

Alex hat den Mietwagen reserviert, es war mittlerweile ziemlich spät und ich wollte nicht zum dritten Mal in meinem Leben an einem englischen Flughafen übernachten.

Zum Glück wusste ich, dass Anke – eine weitere Deutsche im Bunde – am Wochenende auch da sein würde. Wir kannten uns nur über die Legionärsgruppe, weshalb mein Verzweiflungsanruf schon relativ optimistisch war:

„Anke, du musst mich retten!“

Reaktion:

„Schätzchen, ich fahr in zehn Minuten los und bin dann ca. in ner Stunde bei dir!“

BÄÄMMM!

Sowas gibt es halt nur unter Muddern und ich bin verdammt froh, dass ich auf dem Sofa in ihrem Hotelzimmer pennen durfte 🙂

Danke, Anke!

Hotel Anke

Alex hatte dieses Mal Glück im Unglück, denn samstags traf er rechtzeitig ein, um mit mir zusammen auf die Strecke zu gehen.

Alex und Fliegen passen trotzdem irgendwie nicht zusammen, obwohl er Fluglotse ist…

2. Tough Mudder North West – ein Highlight im Veranstaltungskalender

Der Tough Mudder North West war für uns beide Neuland, insofern wussten mir nicht so recht, was uns erwarten würde.

Tough Mudder North West 2016 Streckenplan

(zum Vergrößern anklicken)

Auffällig war, dass der King of the Swingers nach TM South West zum zweiten Mal in Folge nicht auf dem Programm stand.

Das fand ich tatsächlich schade, da ich mich eigentlich anlässlich meines kleinen Jubiläums ein klein wenig rehabilitieren und die Glocke zwei Mal wegschlagen wollte…

Das Problem bei dem Hindernis ist, dass man extrem tief graben muss und das ist leider nicht auf jedem Gelände möglich.

Grund zur Beschwerde hatten wir dennoch nicht, denn der Kurs war mit seinen ca. 19,5km und seiner Beschaffenheit extrem anspruchsvoll und abwechslungsreich.

Zu den Highlights zählte definitiv das Hindernis „Island Hopping“, das unweigerlich an Takeshi's Castle erinnert. Alex kannte das Hindernis noch gar nicht, ich durfte es letztes Jahr immerhin in Midlands testen.

Die kleinen Inseln wackeln auf Deutsch gesagt wie ein Kuhschwanz und es ist nicht einfach, den Fluss trocken zu überqueren.

Wir haben es zum Glück an beiden Tagen geschafft, auch wenn ich die Sache seeeehr langsam angegangen bin 😉

Island Hopping Michael

Das zweite Highlight war das Hindernis Shawshanked, das hier höher positioniert war als bisher sonst irgendwo gesehen.

Bei Shawshanked muss man sich in einer Röhre schräg an einem Seil hochziehen und wenn man oben angelangt ist, dann stürzt man sich rückwärts ins Wasser.

Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass ich die Kombination aus Wasser und Höhe nicht mag und ich muss zugeben, dass ich das Hindernis bislang wahlweise ausgelassen habe oder mich wie ein Feigling langsam an der Röhre heruntergelassen habe…

Dieses Mal sollte es anders sein, denn mir schossen drei Sätze durch den Kopf:

  1. „When was the last time you did something for the first time?“
  2. „Jemand, der in Kürze das silberne Stirnband trägt, der muss das machen!“
  3. „Alta, blamier‘ dich auf keinen Fall vor der hübschen Engländerin hinter dir!“

Welcher der drei Gedanken auch immer den Ausschlag gab – ich habe weder Samstag noch Sonntag gezögert und mit dem Hindernis meinen Frieden geschlossen 🙂

Bei Alex sah das Ganze aber zweifelsohne noch eine Nummer cooler aus.

Tough Mudder Shawshanked

Der verrückte Kerl hat die Sonnenbrille übrigens den gesamten Sonntag getragen – in dem Orange durchaus stilecht 😉

Cage Crawl Alex

Natürlich hatten wir jedoch auch samstags und auf dem Rest der Strecke einen riesigen Spaß und zu unser beider Überraschung tatsächlich an beiden Tagen bestes Wetter!

Tough Mudder North West 2016 Mud Mile

Respekt übrigens für Anke, die mich nicht nur am Freitag gerettet hat, sondern am Wochenende auch drei Mal den anspruchsvollen Kurs trotz diverser Wehwehchen gemeistert hat.

Sie geht dieses Jahr nämlich beim World's Toughest Mudder in Las Vegas an den Start und da muss man in der Vorbereitung natürlich schon ein paar Kilometer bolzen.

Wir wünschen ihr schon jetzt viel Erfolg und sind gespannt auf ihre Eindrücke!

Michael, Anke & Alex

3. Drei Beispiele, warum ein Tough Mudder in England einfach AWESOME ist

Beispiel Nummer 1 – Bobbie, der König des Warm-ups

Bobbie

Wir haben keine Ahnung wo Tough Mudder diesen verrückten Typen ausgegraben hat, aber wir hoffen, dass er einen Knebelvertrag unterschrieben hat, der ihn auf immer und ewig an Tough Mudder bindet!

Bobbie ist der absolute HAMMER!

Das Warm-up ist nahezu immer skurril und an Witz kaum zu übertreffen. Bobby bringt die ganze Startwelle zum Tanzen und zum Lachen.

Besonders bemerkenswert ist sein umfassendes Repertoire, denn wer sich mal ein paar Warm-ups hintereinander anschaut (zum Beispiel weil man gerade auf Alex wartet), der wird feststellen, dass er sich ständig neue Verrücktheiten einfallen lässt.

Ganz großes Kino!

Wir haben gehört, dass er auch beim Tough Mudder in Dubai dabei sein soll – wenn er dort die gleiche Show abzieht, dann wird er definitiv verhaftet 😀

Beispiel Nummer 2 – Gil „The Legend“

Gil TM North West 2016

Ohne Spaß, ich glaube ich könnte bei den Events in UK den ganzen Tag nur beim Warm-up mitmachen und anschließend den Worten von Gil im Startbereich lauschen – ich fände es wohl immer wieder aufs Neue sensationell.

Gil ist ein überragender Typ und versteht es wie kein Zweiter, die Menge auf Tough Mudder einzustimmen.

Was wir besonders an ihm schätzen, ist sein Umgang mit den Teilnehmern. Es gibt kaum einen Legionär, den er nicht kennt und er bringt sich vielfältig in die Community ein.

Für mich war es sonntags deshalb eine große Ehre als Gils Stimme ertönte und sagte:

„If this is your 25th Tough Mudder today und you're the first German ever who will get the silver headband, stand on your feet. Please stand up, Michael!“

Gil muss man definitiv mal erlebt haben!

Beispiel Nummer 3 – die Legionärs-Familie

Wenn du ganz genau darauf achtest, dann siehst du, dass wir am Wochenende unser grünes Tough Mudder Stirnband um den Arm getragen haben.

Warum?

Steve, ein Teilnehmer und mehrfacher Volunteer, hätte am Wochenende eigentlich sein grünes Stirnband erhalten, doch kam kurz vorher und völlig überraschend nach einer Trainingseinheit ums Leben.

Unter dem Hashtag #GreenforSteve wurden deshalb die Legionäre dazu aufgerufen, zu Ehren Steves am Wochenende das grüne Stirnband zu tragen.

Zahlreiche Mudder kamen diesem Aufruf nach und die Camper haben zusätzlich ein tolles Gruppenbild für die Angehörigen gemacht.

#GreenforSteve

An dieser Aktion haben wir uns gerne beteiligt und obwohl wir – wie die meisten – Steve nicht kannten, so löste dies doch ein Stück weit ein beklemmendes Gefühl aus.

Das Ganze zeigt aber auch, wie krass die Legionäre untereinander vernetzt sind, denn diese Aktion ging nicht von Tough Mudder, sondern von den Teilnehmern aus.

Die Legionnairs-Gruppe auf Facebook ist sehr aktiv und der Umgang untereinander ist beeindruckend. Zu meinem silbernen Stirnband haben mir beispielsweise über 100 Leute in der Gruppe gratuliert, was mich sehr gefreut hat.

Wenn du möchtest, dann schließe dich gerne der Legionnairs-Gruppe an. Die Admins schalten dich frei, wenn sie dich aufgrund deines Profilbildes als TM-Teilnehmer identifizieren können.

Die Gruppenmitglieder kommen aus allen Ländern, aber natürlich verstärkt aus UK und den USA. Die Kommunikationssprache ist hier Englisch, auch wenn du zum Beispiel auf den Beitrag eines Deutschen reagierst.

4. Feierliche Krönung und Zeit für neue Ziele

Sonntags bin ich manchmal vor dem Start ein wenig grummelig und finde den Spaß erst während des Warm-ups, da der Samstag noch ein Stück weit in den Knochen steckt.

Diesen Sonntag war ich jedoch bester Laune und lief mit einem Dauergrinsen durch die Gegend, da ich wusste, dass dies der große Tag sein würde.

Alex & Michael TM North West 2016

Wenn man bedenkt, dass ich mit 10 Tough Muddern in die Saison am 30. April gestartet bin, dann sind 25 Tough Mudder am 11. September wohl gar nicht so schlecht.

Ich wollte das silberne Stirnband unbedingt schon in dieser Saison und als erster Deutscher holen und beides ist mir letztendlich gelungen.

Mein besonderer Dank gilt Alex, der mit 23 Tough Mudder Events nicht nur denkbar knapp hinter mir liegt, sondern mir das Leben in dieser Zeit auf und neben der Strecke ungemein erleichtert hat!

Alex, schau‘ dir die Bilder gut an, dann weißt du, was dich nächste Woche erwartet – wir werden dich feiern!

Michael Überreichung silbernes Stirnband

Michael mit silbernem Stirnband

Mein Dank gilt außerdem Stephanie, die mir diese tolle Tough Mudder Krone gebastelt hat.

Alex war es zwar zeitweise etwas peinlich mit mir so durch die Gegend zu laufen, aber ich fand es super lustig und auch Gil war von der Krone total begeistert!

Danke, liebe Stephanie 🙂

TM North West 2016 Michael Krone

Wie geht es nun weiter?

Nun, einen kleinen Ausblick habe ich schon in meinem Interview mit Tough Mudder gegeben.

Jetzt freue ich mich erst mal auf Süddeutschland, das ich persönlich als das große Jahreshighlight betrachte. Wir sind mit zwei großen Gruppen am Start und werden jede Menge Spaß haben. Viola wird sich außerdem Schwarz schnappen und Alex Silber.

Ich kann allerdings nur hoffen, dass ich bis dahin wieder einsatzfähig bin, denn während ich diese Zeilen hier schreibe, geht es mir gesundheitlich ziemlich dreckig.

Ansonsten richtet sich mein Blick natürlich schon nach vorne, denn nach Silber ist schließlich vor Gold (50x Tough Mudder).

Wäre doch gelacht, wenn ich mir nicht auch dieses in Rekordtempo erkämpfen würde, oder? 😉

Wir sehen uns im Schlamm!

Hoorah!