Tough Mudder South West 2016 – und es hat ZOOM gemacht…

28Tough Mudder South West 2016

Der Tough Mudder South West 2016 hat mal wieder gezeigt, dass jeder von uns für Heldentaten bestimmt ist. Es liegt lediglich an uns, ob wir bereit sind Großes zu vollbringen oder uns in Ausreden flüchten.

Die Heldentaten des Wochenendes haben wir zwei anderen Muddern überlassen, doch auch Alex und ich (Michael) haben unsere Komfortzone mal wieder verlassen müssen – trotz einer jeweiligen Erfahrung von über 20x Tough Mudder.

Sei gespannt und lies selbst!

Übersicht

  1. Tough Mudder South West 2016 – unsere Eindrücke und Erlebnisse
  2. Abseits der Strecke – was uns vor und nach dem Lauf besonders wichtig ist
  3. Eine geballte Ladung Inspiration – die beiden Helden des Wochenendes
  4. Fazit

1. Tough Mudder South West 2016 – unsere Eindrücke und Erlebnisse

Tough Mudder South West 2016 Streckenkarte

(zum Vergrößern klicken)

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Tough-Mudder-Events rein von den Hindernissen her wenig unterscheiden. Bei den „Auffüllhindernissen“ wird hier und da mal variiert, aber die Klassiker stehen im Großen und Ganzen fest.

Wir staunten deshalb nicht schlecht, als wir auf die Streckenkarte schauten und dort nicht den King of the Swingers, sondern den inoffiziellen Vorgänger Walk the Plank entdeckten.

Dies lies nur zwei Interpretationen zu: Entweder die Teilnehmerzahl ist sehr niedrig (dann wäre das Hindernis zu teuer) oder es gab Probleme mit der Baugenehmigung (hier müssen schon einige Kubikmeter Erde ausgegraben werden).

Ganz offensichtlich war letzteres der Fall, doch mir sollte es egal sein, denn ich war über diese Nachricht alles andere als unglücklich.

Wer es noch nicht wissen sollte – ich habe weder mit Höhe noch mit (warmen) Wasser ein Problem, aber die Kombination aus beidem macht mir tatsächlich zu schaffen.

Bei meinem ersten Tough Mudder war Walk the Plank schon eine Herausforderung für mich, denn den Michael kannst du im Schwimmbad sicherlich überall anfinden, aber ganz bestimmt nicht auf dem 3-Meter-Brett…

Heute wäre Walk the Plank sicherlich ein Spaziergang für mich, aber beim King of the Swingers bin ich schon zwei Mal äußerst spektakulär aufgeschlagen und begegne diesem Hindernis deshalb immer noch mit einem gewaltigen Respekt.

Doch ich hatte mich zu früh gefreut und es sollte am Ende anders kommen – dazu gleich mehr 😉

Alex und ich waren am Samstag in bester Gesellschaft, denn wir durften den Kurs zusammen mit Jon (2. von links) und Aidan (4. von links) in Angriff nehmen.

TM South West 2016 Gruppenbild

Jon haben wir bereits beim Tough Mudder Yorkshire kennengelernt und sind ihm dieses Mal beim Betreten des Geländes quasi direkt in die Arme gelaufen.

Er hatte gerade seinen ersten Run hinter sich und da bot es sich an, mit uns gemeinsam in die Double Lap zu starten. Aidan, der sein Soll für den Tag eigentlich auch schon erfüllt hatte, wurde ebenfalls erfolgreich überredet.

So kam es, dass wir ein spontanes 4er-Team gebildet haben, das zusammen auf eine Erfahrung von über 100x Tough Mudder zurückblicken kann 😀

Trotz großer Erfahrung hatten wir am Samstag extrem mit den Bedingungen zu kämpfen, denn auch im August bist du in England vor katastrophalem Wetter nicht geschützt.

TM South West 2016 Funky MonkeyEs hat geregnet was das Zeug hält und es war rutschig ohne Ende.

Vielleicht erinnerst du dich noch, dass ich kürzlich beim Tough Mudder Norddeutschland erfolgreich meine Wette eingelöst habe, nämlich während des Funky Monkeys 2.0 noch zehn Klimmzüge zu absolvieren.

Das Ding zählt also definitiv zu meinen Paradehindernissen, bei denen normalerweise nicht viel anbrennt.

Am Samstag waren die Stangen jedoch so matschig und rutschig, dass ich das letzte Stück gerade noch so auf dem Zahnfleisch und mit viel Cheaten (Beineinsatz) geschafft habe.

Krass!

Du erinnerst dich ja noch, dass anstelle von King of the Swingers das Hindernis Walk the Plank auf der Karte stand und ich mich deshalb diebisch gefreut habe. Nun, was soll ich sagen…

Karma is a bitch! 😀

Schenkt man den Gerüchten Glauben, so ist beim Aufbau die Folie bei Walk of the Plank gerissen, sodass das Wasser nicht mehr vom Absickern ins Erdreich abgehalten werden konnte.

Die Veranstalter haben kurzerhand improvisiert und stattdessen dem wohl unbestritten härtesten Hindernis zu einem Comeback verholfen…

Electric Eel Tough Mudder South West 2016

Gegen den Electric Eel ist die Electroshock Therapy so etwas wie ein Kindergeburtstag.

Jeder Mudder sollte dieses Hindernis einmal erlebt haben, aber wenn man nicht irgendwelche merkwürdigen Neigungen hat, dann reicht einem diese einmalige Erfahrung eigentlich 😉

Alex schlug in der Vergangenheit zum Beispiel mal voll mit dem Kinn auf den Boden, weil bei ihm für einen Bruchteil einer Sekunde die Lichter ausgingen und auch ich erinnere mich noch gut an so manchen Schlag.

Beim ersten Mal habe ich noch naiv versucht den Stromkabeln auszuweichen, mit dem Ergebnis, dass ich eine gefühlte Ewigkeit an dem Hindernis ausharren musste und es mich dann, wenn es mal eingeschlagen hatte, umso heftiger erwischte.

Wie du im nachfolgenden Video siehst, habe ich mich deshalb erst mal kurz überwinden müssen, das Hindernis überhaupt in Angriff zu nehmen, doch dann hieß es Augen zu und durch!

Als ich den Electric Eel verlassen habe, schoss mir direkt eine Liedzeile in den Kopf:

„Und es hat ZOOM gemacht!“

Jetzt weiß auch ich was es heißt, direkt am Kopf einen Elektroschock verpasst zu bekommen 😀

Jon & AidanVon da an hatten wir eigentlich das Schlimmste überstanden und konnten dem Rest entspannt entgegensehen.

Die Gespräche mit Jon und Aidan waren super lustig und man hat den beiden auch kaum angemerkt, dass sie bereits 16-17km auf dem Buckel hatten.

Beide gehören übrigens dem Team Mudcro an und wenn du dich noch an unseren Bericht zu Yorkshire erinnerst, dann weißt du, dass die im positiven Sinne alle ne Meise haben.

Ich staunte deshalb nicht schlecht, als wir zwei Meilen vor dem Ziel noch mal den Arctic Enema 2.0 kreuzten (den wir relativ zu Beginn absolvierten) und Alex und Jon unbedingt noch mal einen Tauchgang wagen wollten.

In England gibt es nämlich einen neuen Trend: Die Knallköpfe spielen Schere, Stein, Papier im Eisbecken und nur wer gewinnt, darf wieder raus 😀

In Süddeutschland werden wir das mal in größerer Runde spielen, denn wie du im nachfolgenden Video siehst, hatte Alex ganz schöne Schwierigkeiten Spielpartner zu finden 😉

Respekt von meiner Seite, denn das sah relativ entspannt aus.

Überlege dir aber ganz genau, ob du das nachmachen möchtest, denn das hat schon was von Tough-Mudder-Jackass 😉

Vor dem Ziel war dann natürlich noch mal der Everest 2.0 angesagt.

Zusammen über 100 Tough Mudder – was sollte da schon schief gehen?

Kaum zu glauben, aber wir mussten eine regelrechte Schlacht mit der Halfpipe ausfechten. Alex rennt das Ding normalerweise unter Szenenapplaus alleine hoch, doch dieses Mal hat selbst er trotz Hilfe fünf oder sechs Versuche gebraucht!

Es war unendlich glatt!

Es dauerte Minuten, bis wir alle oben waren, doch Aufgeben war keine Option. Im Ziel waren wir dann einigermaßen fertig, aber glücklich!

TM South West 2016 Finish

Sonntag – auch das ist England – hatten wir dann plötzlich traumhafte Bedingungen, denn die Sonne knallte wie blöde, sodass weder der Funky Monkey 2.0 noch der Everest 2.0 ein ernsthaftes Problem darstellten.

Die größte Herausforderung an diesem Tag war eigentlich, rechtzeitig unseren Rückflug zu erreichen, denn das war alles extrem eng getaktet!

Der Plan war, direkt in die erste Startwelle zu gehen und dann nach ungefähr zwei Stunden ins Ziel zu kommen. Es war also dieses Jahr das erste Mal Tempo machen angesagt!

Bis zur Mud Mile 2.0 lief auch alles glatt, doch dann war ich einen kurzen Moment unachtsam.

Man darf das eigentlich kaum laut aussprechen, aber wenn es darum geht, beim Tough Mudder Wasser und Dreck zu vermeiden, dann habe ich echt den Bogen raus 😀

Bei der Mud Mile 2.0 hat es mich kurz vor Ende jedoch komplett gelegt, sodass ich sogar mit dem Kopf eingetaucht bin. Hier hilft mir gerade Alex (der tatsächlich sauber blieb) hoch.

Tough Mudder South West 2016 Mud Mile

Abgesehen vom Gesicht, war ich jedoch im Ziel wieder einigermaßen sauber. Mit 1:57 Stunden blieben wir zudem voll im Plan und waren zum Glück wieder rechtzeitig am Flughafen.

Alex & Michael TM South West 2016

2. Abseits der Strecke – was uns vor und nach dem Lauf besonders wichtig ist

Wir waren dieses Jahr schon so oft im Ausland, doch ganz ehrlich, gesehen haben wir eigentlich nichts!

Im Regelfall geht es direkt aufs Gelände und ob der Schlamm nun deutsch, englisch, irisch oder schottisch ist, macht im Großen und Ganzen keinen Unterschied.

Da Alex erst Samstagfrüh eintreffen sollte, hatte ich am Freitag jedoch ausnahmsweise mal ein klein wenig Zeit, mir London anzuschauen.

Mein Highlight war dabei, Arnie und Usain Bolt bei Madame Tussauds zu treffen 🙂

Michael & Arnie

Michael & Usain Bolt

Vermutlich hätte ich noch viel mehr von London sehen können, wenn mir mein Orientierungssinn nicht permanent im Wege stehen würde…

Aber was machen wir denn für gewöhnlich, wenn wir nicht gerade laufen?

Um es auf den Punkt zu bringen:

ESSEN!

Alex und ich ernähren sich im Alltag ziemlich clean, ich noch etwas strikter als er.

An einem Tough-Mudder-Wochenende herrschen jedoch andere Gesetze und das gar nicht mal, weil wir das als willkommene Cheat-Gelegenheit missbrauchen wollen.

Wenn du nur einen Tough Mudder rennst und vielleicht sogar noch am selben Tag nach Hause fährst, dann ist das alles relativ entspannt.

Tough Mudder ProviantBei Alex und mir geht es aber vor allem darum, am zweiten Tag mit möglichst viel Energie an den Start und nicht schon geschwächt ins Rennen zu gehen.

Das Hauptziel lautet deshalb, am Wochenende nichts ins Kaloriendefizit zu fallen.

So viel Nahrung wie dafür nötig wäre, kann man in der kurzen Zeit kaum clean aufnehmen.

Deswegen hauen wir uns ganz viele kurzkettige Kohlenhydrate (also Dreck vom Feinsten) rein, um mit möglichst wenig Volumen viel Kalorien abzugreifen, die dem Körper in Form von Energie schnell zugänglich gemacht werden können.

CalzoneAuch abends muss dann noch mal ordentlich geschaufelt werden.

Selbst am Flughafen heißt es unbedingt noch mal was zu verdrücken (zumeist Burger King), denn bis man dann daheim ist, ist es in der Regel kurz vor Mitternacht.

Die Nummer geht ganz gut auf, denn wenn ich von so einem Wochenend-Trip zurück komme, dann ist die Waage eigentlich immer im grünen Bereich.

Ich denke das ist einer der Hauptgründe dafür, warum es mir montags schon wieder einigermaßen gut geht.

Das sähe bei einem deutlichen Kaloriendefizit wohl anders aus!

Danach ist mein Körper aber auch froh, wenn er wieder seine normale Nahrung bekommt 🙂

3. Eine geballte Ladung Inspiration – die beiden Helden des Wochenendes

Wie bereits angesprochen, mussten sich Alex und ich am Wochenende mehr als sonst überwinden, was zum einen am Electric Eel und zum anderen am Schere-Stein-Papier-Spielen im Arctic Enema 2.0 lag.

Den Hut ziehen wir jedoch vor zwei anderen Muddern.

Zum einen wäre da Chris James, der als erster Europäer seinen 50. Tough Mudder absolviert hat und sich damit das goldene Stirnband überstreifen durfte.

Geile Sache und herzlichen Glückwunsch!

Chris ist in UK ziemlich bekannt – wen wundert es?

Der Lauf hat ihm offensichtlich viel bedeutet und er ließ sich aus unserer Sicht völlig mit Recht feiern 🙂

Chris James

Der absolute Rockstar des Wochenendes war jedoch ein Mudder, dessen Namen wir leider nicht kennen. Ich nenne ihn deshalb einfach „Hero“.

Hero sitzt im Rollstuhl und ist komplett gelähmt. Er bewegt sich fort, indem er seinen Rollstuhl per Sensor mit dem Mund lenkt.

Zusammen mit seinem Team hat er den kompletten Tough Mudder absolviert und wer mir jetzt mit blöden Sprüchen wie „Wie soll der denn Hindernis X oder Y gemacht haben?“ kommt, der bekommt von mir verbal direkt mal eine geklatscht!

Diese mentale Leistung kann man gar nicht hoch genug einschätzen, weshalb Hero für uns alle ein Vorbild sein sollte.

Er könnte mit seinem Schicksal hadern, doch er lebt das, was Gil, der Startline MC, den Teilnehmern vor dem Lauf immer eintrichtert:

NO QUITTING!

Ganz großes Kino, Hochachtung von unserer Seite!

TM South West 2016 Hero

4. Fazit

Der Tough Mudder South West 2016 war nicht unbedingt der spektakulärste. Es gibt definitiv Kurse, die schöner und anspruchsvoller sind.

Dennoch haben wir wieder zahlreiche Erinnerungen gesammelt, die wir so nicht vergessen werden.

Chris und Hero haben uns inspiriert, wir mussten samstags phasenweise an unsere Grenzen gehen und sonntags läuferisch zur Abwechslung mal einen raushauen.

Ich persönlich freue mich jetzt schon auf den nächsten Tough Mudder, denn wenn ich verletzungsfrei bleibe, dann werde ich beim Tough Mudder North West als erster Deutscher das silberne 25er-Headband bekommen 🙂

Bis dahin, hau rein!

Hoorah!